„Stauffenberg für die AfD? Die wahre Verfassungskrise ist eine andere – eine wortlautzentrierte Analyse des historischen Missbrauchs“
1. Das Interview: Ein Kampf um die Deutungshoheit über die Geschichte
t-online.de veröffentlicht am 18. Juli 2026 ein Interview mit Robert von Steinau-Steinrück, dem Vorsitzenden der Stiftung 20. Juli 1944 und Enkel des Widerstandskämpfers Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Anlass ist eine Äußerung des Kabarettisten Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung, der in Bezug auf Bundeskanzler Friedrich Merz fragte: „Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“
Von Steinau-Steinrück bezeichnet diese Aussage als „ekelhaft und abstoßend“. Er warnt vor dem Versuch der AfD, den Widerstand gegen das NS-Regime für eigene Zwecke zu vereinnahmen. Die AfD betreibe einen „Etikettenschwindel“, indem sie das demokratische System als Diktatur umdeute und Widerstand gegen diese angebliche Diktatur fordere. Er betont:
„Widerstand gegen Adolf Hitler und die NS-Diktatur war etwas diametral anderes, als es die Rechtspopulisten und Rechtsextremen heute anstreben. Sie verfolgen die Idee des Autoritären. Wir, Nachkommen der Männer und Frauen des Widerstands, haben die Aufgabe, das aufzudecken.“
Politisch-moralisch ist diese Analyse nachvollziehbar. Die wortlautzentrierte Analyse fragt jedoch: Auf welcher verfassungsrechtlichen Grundlage beruht der Staat, den die AfD angreift – und warum schweigt der Interviewpartner zur eigentlichen Verfassungskrise? Weiterlesen →