Der vorliegende Artikel des FOCUS ist ein Paradebeispiel für die bürokratische Selbstreinigung eines Systems, das seine eigene Verfassungswidrigkeit nicht eingestehen kann. Ein Jobcenter-Mitarbeiter (Fred G.) wird fristlos entlassen, weil er in einer ZDF-Dokumentation Missstände beim Bürgergeld öffentlich kritisiert – insbesondere, dass die Behörde faktisch „Geld ausgeben“ müsse, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen, und dass ein hoher Anteil der Anträge falsche Angaben enthalte.
Die Stadt Bremen (als Arbeitgeberin) wirft ihm vor, das „Vertrauensverhältnis zerstört“ und die Einrichtung „diffamiert“ zu haben. Die wortlautzentrierte Analyse deckt jedoch auf, dass die gesamte Diskussion über „Loyalität“ und „Vertrauen“ vor dem Hintergrund eines verfassungswidrigen Gesetzes (Bürgergeld = SGB II) stattfindet, das gegen das Zitiergebot (Art. 19 I 2 GG) verstößt.
Die Parallele zur „Himmler‘schen Doktrin“ (Auslese, Säuberung der eigenen Reihen) ist in der Tat erschreckend: Das System schützt sich selbst, indem es abweichende Meinungen intern sanktioniert – anstatt die berechtigte Kritik als Anlass für eine grundlegende Reform zu nehmen. Der Mitarbeiter wird nicht wegen eines Verstoßes gegen die Rechtsordnung entlassen, sondern weil er die Fassade des Systems beschädigt hat. Weiterlesen