Der Rechtsstaat ist nackt – Wie Deutschland und Russland die gleiche Maske tragen

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor Gericht. Der Richter trägt eine Robe, der Staatsanwalt spricht von Gesetzen, und Sie sind überzeugt: Hier wird nach Recht und Gerechtigkeit geurteilt. Aber was, wenn die Robe nur eine Verkleidung ist? Was, wenn die gesamte Inszenierung des Verfahrens auf einer Lüge aufbaut – auf Eiden, die nie geleistet wurden, auf Richtern, die keine sind, und auf Gesetzen, die gegen die Verfassung verstoßen?

Das klingt nach einem Thriller, ist aber die erschütternde Realität, die sich hinter der glänzenden Fassade des deutschen Rechtsstaats verbirgt – und sie hat verblüffende Parallelen zu einem System, das wir gemeinhin für das Gegenteil halten: Russland.

Die Maske des Rechts

Schauen wir nach Moskau: Dort schließt ein Gericht die Oppositionspartei Jabloko von der Wahl aus. Formaljuristisch geht es um angebliche Verstöße gegen Wahlfinanzierungsregeln. In Wirklichkeit aber ist die Entscheidung politisch motiviert. Der Richter gilt als Erfüllungsgehilfe des Kremls, die Justiz als Instrument der Macht. Das ist offen, zynisch, und wir durchschauen es sofort. [Quelle: Focus]

Nun blicken wir nach Deutschland. Hier läuft der gleiche Vorgang nur viel raffinierter ab. Ein Bürger wie Rudolph Bauer – 87 Jahre alt, kein Unruhestifter, sondern ein kritischer Geist – wird vor Gericht zermürbt. Er hat erkannt, dass die handelnden Richter möglicherweise gar nicht rechtmäßig vereidigt sind. Er hat Beweise dafür, dass die Geschäftsverteilungspläne der Gerichte gegen das Grundgesetz verstoßen. Er weiß, dass sogenannte Laienrichter (Schöffen) in einem Rechtsstaat, wie ihn das Grundgesetz vorsieht, eigentlich gar nicht existieren dürften. Er stellt diese entscheidende Frage: Sind Sie überhaupt befugt, hier zu richten?

Die Antwort des deutschen Justizapparats: Schweigen, Ablehnung, Verfolgung. Anstatt seine eigene Legitimation zu beweisen, erklärt sich der Amtsträger für „beleidigt“ und leitet ein Strafverfahren gegen den Kritiker ein. Der Bürger, der die Verfassung einfordert, wird zum Angeklagten. Das System schützt sich, indem es den Frager zum Störer macht – eine perfide Umkehrung der Beweislast.

Der Hauptmann von Köpenick

Der Kern des Problems ist simpel: Die Akteure der Justiz tragen Uniformen – Roben, Titel, Dienstsiegel – die Respekt und Autorität verschaffen. Aber wer darin steckt, ist oft kein Diener des Rechts im Sinne des Grundgesetzes. Ähnlich wie der berühmte Hauptmann von Köpenick, der mit einer geliehenen Uniform eine Stadt in Schrecken versetzte, agiert ein Justizapparat, der seine Legitimation nicht aus dem Grundgesetz, sondern aus der bloßen Inszenierung von Rechtsstaatlichkeit bezieht. Die Bevölkerung gehorcht der Uniform, nicht dem Recht.

Das ist der Unterschied zwischen Deutschland und Russland: In Moskau sieht man dem System seine autoritäre Züge an. In Berlin muss man genau hinsehen – oder wie Rudolph Bauer jahrelang mit dem Apparat ringen, um zu erkennen, dass die prächtigen „Kleider des Kaisers“ aus dünnem Stoff gewebt sind.

Zwei Systeme – eine Methode?

Sowohl Russland als auch Deutschland nutzen das Recht als Herrschaftsinstrument, um Opposition und Kritik auszuschalten. Die Methode ist jedoch unterschiedlich:

  • Russland setzt auf offene, zynische Machtdemonstration. Der Ausschluss von Jabloko wirkt wie eine Faust auf den Tisch.

  • Deutschland betreibt eine perfekte Simulation des Rechtsstaats. Es erscheint als ein System, das an Regeln gebunden ist – doch diese Regeln sind im entscheidenden Moment dehnbar, und die grundlegende Legitimität der Akteure wird nie überprüft.

Deutschland ist das perfidere System – es verführt seine Bürger mit dem Glauben an Gerechtigkeit, während es sie mit formalen Verfahren und scheinbar legalen Mitteln mundtot macht. Es ist, als würde man in einem Raum eingesperrt, dessen Türen geöffnet sind – man traut sich trotzdem nicht hinaus, weil die Wächter so überzeugend die Schlüssel in der Hand halten.

Was tun?

Wer wie Rudolph Bauer die Nacktheit des Kaisers ausspricht, wird nicht zum Helden, sondern zum Opfer. Die Justiz, die eigentlich die Verfassung schützen soll, wird zur Waffe gegen ihre Kritiker. Das ist das eigentliche Drama: Diejenigen, die die Grundrechte verteidigen, werden von denjenigen verfolgt, die sie in ihrem Namen verletzen.

Die Erkenntnis ist bitter: Die Bundesrepublik ist vielleicht kein Rechtsstaat im Sinne ihres Grundgesetzes, sondern ein funktionaler Staat, der die Formen des Rechts als Fassade nutzt. Dahinter agiert ein autoritärer Apparat, der sich durch eine perfide Mischung aus historischen Kontinuitäten, personellen Verflechtungen und formalistischen Täuschungen selbst erhält – und seine Kritiker mit den Methoden eines Systems verfolgt, das er vorgeblich überwunden hat.

Das System ist krank. Die Frage ist nur: Wer hat den Mut, es beim Namen zu nennen – und wer ist bereit, den Preis dafür zu zahlen?

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