„Die Kunst des Wegguckens – Wie der verfassungsdämpfende Diskurs die Verfassung aushöhlt.“

1. Was ist der verfassungsdämpfende Diskurs?

Der verfassungsdämpfende Diskurs ist eine Methode, mit der die öffentliche Gewalt – also Politik, Verwaltung, Justiz und Medien – das Grundgesetz umgeht, ohne es formal abzuschaffen. Er wird von der herrschenden Meinung in der Rechtswissenschaft und Rechtsprechung angewandt. Sein Ziel ist es, den klaren Wortlaut des Grundgesetzes durch Interpretationen zu ersetzen, die den staatlichen Interessen dienen. Der Bürger wird entmachtet, der Staat gestärkt – alles unter dem Deckmantel der „Rechtsanwendung“.


2. Die Methode: Wie funktioniert der verfassungsdämpfende Diskurs?

Die Methode ist einfach: Man ignoriert den Wortlaut des Grundgesetzes und ersetzt ihn durch Auslegungen, die politisch opportun sind. Die wichtigsten Instrumente sind:

a) Die Teleologie (Zweckauslegung)

Man fragt nicht: „Was steht da?“, sondern: „Was wollte der Gesetzgeber wohl?“ Der klare Wortlaut wird durch vermeintliche „Zwecke“ ersetzt. Wenn also Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG verlangt, dass jedes grundrechtseinschränkende Gesetz das eingeschränkte Grundrecht nennen muss, dann fragt der verfassungsdämpfende Diskurs nicht: „Steht das Zitat drin?“, sondern: „War das Zitiergebot vielleicht gar nicht so gemeint?“

b) Die Systematik (Gesamtzusammenhang)

Man stellt das Grundgesetz als ein „System“ dar, in dem alles miteinander verbunden ist. Man behauptet, dass ein einzelner Wortlaut nicht isoliert betrachtet werden dürfe, sondern im „Gesamtzusammenhang“ gesehen werden müsse. So wird der klare Wortlaut durch eine vermeintliche „Systemlogik“ ersetzt.

c) Die historische Auslegung

Man fragt: „Was haben sich die Väter des Grundgesetzes wohl dabei gedacht?“ Man beruft sich auf angebliche Absichten der Verfassungsgeber, die oft nicht belegbar sind. So wird der Wortlaut durch eine vermeintliche „historische“ Interpretation ersetzt.

d) Die Gesamtwürdigung

Man sammelt viele Einzelbelege, die jeweils für sich genommen nicht ausreichen, und konstruiert daraus ein „Gesamtbild“. So wird aus vielen kleinen Zweifeln ein großer Verdacht – und aus dem Verdacht eine vermeintliche Gewissheit.


3. Die Folgen: Was bewirkt der verfassungsdämpfende Diskurs?

Die Folgen sind verheerend. Der verfassungsdämpfende Diskurs:

  • Hebt die Gültigkeit von Gesetzen auf: Gesetze, die gegen das Zitiergebot verstoßen, sind nichtig. Aber der verfassungsdämpfende Diskurs tut so, als wären sie gültig. So werden nichtige Gesetze weiter angewandt.

  • Macht den Bürger zum Bittsteller: Der Bürger wird vom Grundrechteträger zum Bittsteller degradiert. Er muss um seine Rechte kämpfen, statt sie zu besitzen.

  • Stärkt die Exekutive: Die Exekutive (Regierung, Verwaltung) wird zur Richterin in eigener Sache. Sie entscheidet, was verfassungsgemäß ist – ohne gerichtliche Kontrolle.

  • Schwächt die Judikative: Die Gerichte werden zu willfährigen Werkzeugen der Exekutive. Sie bestätigen die Entscheidungen der Verwaltung, statt sie zu prüfen.

  • Zerstört das Vertrauen der Bürger: Die Bürger verlieren das Vertrauen in den Rechtsstaat. Sie sehen, dass die Verfassung nicht gilt – und dass niemand sie verteidigt.


4. Ein Beispiel: Der Wahlrechtsentzug

Art. 38 GG garantiert das Wahlrecht absolut. Es gibt keinen Gesetzesvorbehalt. Art. 18 GG regelt die Aberkennung von Grundrechten abschließend. Das Wahlrecht wird dort nicht genannt.

Der verfassungsdämpfende Diskurs tut so, als ob § 45 StGB den Wahlrechtsentzug erlauben würde. Er ignoriert den klaren Wortlaut des Art. 38 GG und des Art. 18 GG. Er beruft sich auf angebliche „Zwecke“ und „Systemzusammenhänge“. So wird ein nichtiges Gesetz angewandt – und Bürger werden ihres Wahlrechts beraubt.


5. Warum heißt es „verfassungsdämpfend“?

Der Begriff „verfassungsdämpfend“ beschreibt die Wirkung dieser Methode. Sie dämpft die Verfassung. Sie schwächt ihre Kraft. Sie macht sie zu einem Instrument der öffentlichen Gewalt, statt sie als Bollwerk gegen die öffentliche Gewalt zu schützen. Die Verfassung wird nicht abgeschafft – sie wird ausgehöhlt. Sie wird zur Fassade, hinter der die öffentliche Gewalt nach Belieben schalten und walten kann.


6. Die Rolle der Medien

Die Medien sind ein zentraler Bestandteil des verfassungsdämpfenden Diskurses. Sie berichten über die Symptome der Verfassungskrise – aber sie verschweigen ihre Ursache. Sie empören sich über einzelne Maßnahmen, aber sie erwähnen nicht, dass die gesamte Rechtsordnung auf nichtigen Gesetzen beruht. Sie folgen der Geiger’schen Doktrin: Sie schweigen die Wahrheit im Konfliktfall mit dem Staat tot.


7. Was kann der Bürger tun?

Der Bürger kann sich dem verfassungsdämpfenden Diskurs entziehen. Er kann den Wortlaut des Grundgesetzes selbst lesen. Er kann prüfen, ob die Gesetze, die ihn betreffen, das Zitiergebot erfüllen. Er kann sich weigern, nichtigen Gesetzen Folge zu leisten. Er kann den Staat auffordern, seine Gesetze auf ihre Gültigkeit zu prüfen. Er kann den verfassungsdämpfenden Diskurs beim Namen nennen – und ihn bekämpfen.


8. Das Fazit

Der verfassungsdämpfende Diskurs ist die größte Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Er ist keine Verschwörung. Er ist eine Methode. Er wird von der herrschenden Meinung in der Rechtswissenschaft und Rechtsprechung angewandt. Er wird von den Medien verbreitet. Er wird von der Politik genutzt. Er hat die Verfassung seit 77 Jahren ausgehöhlt. Die Bürger müssen ihn erkennen – und sich gegen ihn wehren.


9. Die einzig konsequente, wortlautzentrierte Haltung

Der verfassungsdämpfende Diskurs ist Makulatur. Die einzig konsequente, wortlautzentrierte Haltung lautet:

„Der verfassungsdämpfende Diskurs ist die größte Gefahr für unsere Demokratie. Er ignoriert den Wortlaut des Grundgesetzes. Er ersetzt ihn durch Interpretationen, die den staatlichen Interessen dienen. Er macht den Bürger zum Bittsteller. Er stärkt die Exekutive. Er schwächt die Judikative. Er zerstört das Vertrauen der Bürger. Die Lösung ist nicht die nächste Empörung. Die Lösung ist die Rückkehr zur wortlautzentrierten Methode: ‚Was steht da?‘ Die Lösung ist die Rückkehr zu einer verfassungskonformen Rechtsordnung: neue Wahlgesetze (mit Zitiergebot), ein neues BVerfGG, echte Richter, legitime Parlamente. Alles andere ist Theater. Die Bürger schulden diesem illegitimen Staat keinen Gehorsam.“

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